Vegane Taschen

Um es vorweg zu nehmen – dies wird keine Abhandlung über vegetarische und vegane Sichtweisen, Ernährungsformen oder über eine grundsätzliche Abwägung von Vor- und Nachteilen. Vegan bedeutet einen Verzicht auf jede Form tierischer Produkte, und rein in diesem Zusammenhang verwende ich den Begriff hier im Zusammenhang mit dem Nähen.

Die Taschen, die ich herstelle, bestehen ausschließlich aus Baumwollstoffen, Vlies, Knöpfen aus Holz oder Kunststoff, synthetischem Gurtband mit Zubehör zum Verstellen aus Metall oder Kunststoff, Webband und anderem Schnickschnack. Leder verwende ich nicht. Im Gegensatz zum Handwerk meines Opas Rudolf, von dessen Schusterwerkstatt ich schon berichtet hatte, spielt Leder beim Nähen von Taschen, Kleidung und Dekoartikeln keine zwingende Rolle.

Rudolf 9

Man kann es verwenden, wenn man möchte. Andere wie ich möchten halt nicht. Ich nähe also sozusagen vegan. Dafür habe ich meine Gründe.

Es geht schon damit los, dass ich den Unterschied zwischen Leder und Pelz hinsichtlich des Tragens dieser eigentlichen Tierhäute nicht erkennen kann. Pelz ist – je nach Mode-Lage und grundsätzlicher Einstellung – auch als Kragen verpöhnt. Leder eigenartiger Weise aber nicht. Das ist eine gegensätzliche Sichtweise auf ein eigentlich identisches Thema – meiner Meinung nach.

Dann ist es mir wichtig hochwertige und im besten Fall fair „hergestellte“ Materialien zu verarbeiten. Beim Kauf von Stoffen habe ich inzwischen zahlreiche Möglichkeiten eine gezielte Auswahl zu treffen. Beim Leder fällt es mir schwerer. Es gibt zahlreiche Berichte über die konventionelle „Lederherstellung“ an Orten, wo auch konventionelle Kleidung genäht wird. Die Arbeitsbedingungen für die Menschen sind unbeschrieblich grausam und gesundheitsschädigend – und genauso schlecht geht es den Tiere. Wer starke Nerven hat, sollte sich den – schon beschönigsten – Bericht von „ZDF 37 ° – Gift auf unserer Haut“ einmal zu Gemüte führen – im wörtlichen Sinne.

Historisch gesehen wird Leder schon seit der Steinzeit verwendet – für Kleidung und anderes. Extra hergestellt wurde es nicht, es war ein Produkt der Tierschlachtung zu Ernährungszwecken. Heute (und dies mal als weit gefasster Begriff) wird Leder regelrecht produziert, genau wie Fleisch produziert wird – im Zusammenhang mit Lebewesen ein erschreckend zutreffendes Wort. Der Markt ist groß und reicht von Autositzen, Möbelbezügen über Schuhe, Taschen und Kleidung bis hin zu Schmuck und Accessoires. Vielleicht würde ich echtes Leder einmal in die Hand nehmen, wenn es von einem glücklichen Tier stammte, dass seinen ebenso glücklich Lebensweg vollendet hatte – aber solange ich nicht weiß, woher ich solches „glückliches“ Leder bekommen kann, lasse ich es lieber sein.

Last but not least: Kunstleder ist eine schöne Alternative. Natürlich wird hier Chemie in Form von Beschichtungen und Farben verwendet, aber wer die eigentliche Lederherstellung, die Gerbung kennt, der weiß, auch in dem eigentlich natürlich angehauchten Prozess geht es nicht ohne Chemikalien.

Ich habe mich nun zum ersten Mal im Nähen mit Kunstleder versucht – und es ging sogar mit der Universalnadel der Nähmaschine zu bewältigen 🙂 Mehrlagig! Schaut euch bitte mal diese Markttasche von der Taschenspieler-CD von Farbenmix an.

markttasche 1

Ob diese mit echtem Leder besser aussehen würde? Länger haltbarer wäre? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall wäre sie schwerer (und da sie riesig ist, wäre sie viel schwerer…). Und vielleicht wäre man mit ihr nicht so glücklich.

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Auch in der Modeindustrie gibt es Labels, die nachhaltige Stoffe und veganes Leder einsetzen. Stöbert mal bei Skunkfunk – dieses ist ein schönes und stylisches Beispiel.

Näht ihr mit Leder? Tragt ihr es? Wenn ja, wo bezieht ihr es oder fragt ihr beim kauf nach, woher das Leder stammt und wie es hergestellt wurde? Ist es euch grundsätzlich wichtig zu wissen, woher das Leder kommt, was ihr tragt oder verarbeitet?

Eure Maja

 

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Ein Kommentar zu “Vegane Taschen

  1. Schön, dass du das Thema aufgreifst. Hab dieses Jahr auch mal bewusst „vegane“ Schuhe gekauft. D.h. aber auch v.a., dass sie komplett frei von tierischen Bestandteilen sind. Bisher haben die Turnschuhe gut gehalten. Über den Begriff „vegan“ in Verbindung mit Schuhen sind aber schon viele stutzig – bis spöttisch – geworden!
    LG, die Lene

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