Mama hoch drei

In den letzten Wochen bin ich fast nichts so oft gefragt worden, wie „War das geplant?“ Die Rede ist von dem kleinen Wesen in meinem Bauch, dessen Wölbung man inzwischen sieht. Ein Luftballon, den man zum dritten Mal aufbläst, gibt wirklich leichter nach 🙂

Ich kann nicht direkt sagen, dass ich jemandem diese Frage übel genommen habe. Zumal es keinen Grund gibt, eine private Entscheidung öffentlich zu rechtfertigen. Was mich mehr beschäftigt, ist: Wie exotisch ist es, sich drei Kinder zu wünschen – in den Augen anderer? Wie viele haben ernsthaft vermutet, unser 3. Wunschkind ist ein „Unfall“? Und wie viele haben noch ernsthafter geglaubt, ich würde – auch wenn es so gewesen wäre – von einem „Unfall“ sprechen?!

Statistisch gesehen bringt eine deutsche Frau 1,4 Kinder zur Welt. Im Klartext bedeutet dies, dass die Einkind- oder Zweikindfamilie (alleinerziehende Eltern eingeschlossen) mit 85% die häufigste Konstellation darstellt, die Aufteilung nach einem Kind oder zwei Kinder hält sich seit ca. 2 Jahren in etwa die Waage, tendenziell geht es laut Statistischem Bundesamt eher in Richtung „ein Kind“. Genauso, wie bewusst Kinderlose zuweilen argwöhnisch beäugt werden, habe ich das Gefühl, dass in unserer Gesellschaft der Eindruck dominiert, alles über zwei Kindern kann nicht wirklich gewollt sein. Warum ist das so? Denken viele, ein drittes Kind wird uns wirtschaftlich in den Ruin treiben? Vermuten sie, wir werden uns gar nicht mehr richtig um jedes Kind kümmern können? Erwarten sie, dass wir selbst auf der Strecke bleiben?

Aus der Zusammenfassung der Kommentare ableitend, die man so ungefragt bekommt, es ist eine Mischung aus allem. „Da kommt ganz schön was auf euch zu!“ „Mal sehen, wie es die anderen beiden verkraften!“ „Das ist ganz schön mutig (nonverbal ablesbar: in deinem Alter ;-))!“

Ab drei Kindern zählt man zu den kinderreichen Familien. Mit 15% ist es eine kleinere, aber keine unbedeutende Gruppe. Ich habe keine Erhebung dazu gefunden, in wie vielen Familien es eine bewusste Entscheidung zu einer größeren Anzahl Kinder gibt. Wir sagen auf jeden Fall „ja“ und „herzlich Willkommen“ zu unserem neuen Familienmitglied und der dritte Nestbau hat bereits begonnen. Dies ist kein aber Plädoyer für eine Entscheidung zu mehr Kindern, als der Durchschnitt hat – denn schließlich ist das ein privater Entschluss.

In unserem persönlichen Leben wird es so sein, dass wir beide weiter berufstätig sein werden – natürlich in Vereinbarkeit zu den Belangen der Kinder. Das bedeutet, dass einer von uns (klassisch: ich :-)) keine Karriere im klassischen Stil anstreben kann, denn wir haben keine Nanny, keine Reinigungskraft, keinen Gärtner. Das macht uns nichts aus – dies liegt grundlegend an unserem Blickwinkel. Kinder brauchen Zeit und Zuwendung. Was wir und sie nicht „brauchen“, sind drei Fernreisen im Jahr, stets das neueste Handy, die teuersten Markenklamotten… Aber wir können ihnen – finanziell betrachtet – eine gute Schule bieten, Freizeitaktivitäten, ein schönes und warmes Zuhause, gesundes Essen usw. Auch dies liegt in unserem Blickwinkel als grundlegend.

Wird eines der Kinder „untergehen“, gar übersehen, wenn es drei sind? Nein! Natürlich wird sich mit einem Neugeborenen im Haus erst einmal viel ändern. Mehr Ruhe ist nötig, mehr Zeit für das Kleine. Unsere Mädchen freuen sich darauf und sind gespannt, dies ist eine gute Ausgangsbedingung. Wenn es zu Beginn zeitlich eng werden wird, springen Omas und Opas auch einmal ein. Und wir wissen, dass jedes Kind verschieden ist und eine eigene Art der Aufmerksamkeit benötigt. Die Große wird selbständiger und trifft sich mit Freunden. Sie braucht uns nicht mehr als „Spielkamerad“, wohl aber als Zuhörer, Berater… Die (jetzt noch) Kleine ist viel draußen und bei allem dabei, was der Tag so bietet: Gartenarbeit, Auto putzen. Sie möchte spielen, vorgelesen bekommen, basteln, malen – und an den Wochenenden fordert sie das alles gern vom Papa ein. Unser drittes Kind wird aufgenommen in diese Gemeinschaft und wird den Platz und die Zeit erhalten, die es braucht und möchte – je nach seiner Entwicklung. Dass wir in dieser Familienzeit, die sich für uns nochmals verlängert, nicht spontan ins Kino gehen können, zum Essen, spontan zu Freunden, auf Weltreise gehen – dies wissen wir. Es liegt wiederum am Blickwinkel, ob man dies vermisst oder ob einem bewusst ist, dass z.B. Ausschlafen weiterhin zum absoluten Luxus werden wird, dass es auch anstrengende Momente geben wird, in denen man über seine Grenzen gehen muss. Gerade darüber habe ich dieses Wochenende viel nachgedacht. Ich habe auf Facebook den Post einer jungen Mama gesehen, in welchem sie einen Artikel der „Welt“ postete. Darin geht es um eine Studie, die die eher stillschweigende Reue einiger befragter Mamis thematisiert, welche ihr Muttersein rückwirkend betrachtet echt bereuen. Es geht nicht um den einen Moment (der immer mal wieder aufkommt), in dem man denkt, jetzt wird es aber alles ein bisschen zu viel, jetzt wäre ich gern allein mit meiner Handtasche in Ruhe unterwegs, um mir – was weiß ich – etwas Gutes zu gönnen. Stattdessen bin ich schweißgebadet mit zwei nörgelnden und sich streitenden Zicken (eigentlich nur) unterwegs zum Zahnarzt. Oder möchte früh pünktlich aus dem Haus. Wir kennen das alle, oder? Einen wunderbaren Blogpost dazu habe ich bei Berlinmittemom gelesen – den möchte ich unbedingt empfehlen. Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen der Reue, jemals Mutter geworden zu sein, und den ambivalenten Gefühlen, die im reellen Leben einer Mutter bzw. von Eltern durchaus auftreten, und das verständlicher Weise.

Ich persönlich bzw. wir persönlich – denn es betrifft durchaus auch die Männer – möchten trotz dieser besonders anstrengenden Momente auch rückwirkend betrachtet nichts anders machen in diesem Leben, schon gar nicht aufs Elternsein verzichten. Aus unserer Sicht kommt es auf den Blickwinkel an 🙂

11471663715_ce52f63f4c_o

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Woche,

eure Maja

Advertisements

9 Kommentare zu “Mama hoch drei

  1. Herzlichen Glückwunsch 🙂 freue mich sehr für euch! Und hier in Oberfranken ist 3 eher Standard. J ist in der Krippe der einzige, der noch keine Geschwister hat.

  2. Herzlichen Glückwunsch 🙂 genieß die Zeit. Ich bin auch Mama von drei Kindern und ich bin froh und stolz darüber. Ich wünsche Dir und Deiner Familie eine schöne Zeit und sicher, es ist nicht immer einfach, aber das ist es auch mit einem Kind nicht. Oder ?
    Lg Nine

  3. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute!
    Das hast du sehr schön geschrieben! Die Vermutungen (und oft sogar Vorwürfe!) der Aussenstehenden musste ich mir auch oft genug anhören. Mit jedem Kind wurde es ärger. Aber ich liebe meine Familie und jedes meiner 6 Kinder ist ein Wunschkind. Ich denke, man spürt es selbst, wenn man an seine Grenzen kommt und es Zeit ist, quasi einen Schlussstrich zu ziehen. Für mich war der Zeitpunkt nach dem 6. Jetzt könnte ich mir definitiv nicht mehr vorstellen, unsere Familie nochmal zu vergrößern 😉
    Aber könnte ich nochmal von vorn beginnen, würde ich alles genauso wieder machen 🙂
    Lg Sandy

  4. Hallo Maja,
    die Leute scheinen manchmal gar nicht zu bemerken, welchen Unterton ihre Kommentare so annehmen. Gerade auf dem Dorf scheint sich ja jeder berechtigt zu fühlen über andere zu urteilen und alles soll in der ungeschriebenen Norm bleiben. Dabei ist das – wie Sandy oben schon schrieb – alleine eine Frage der „Kapazität“ der Familie. Man erkennt seine Grenzen, wenn man genau hinhört. Ich bin gespannt auf euer Wunschbaby und wünsch dir eine gute Schwangerschaft!
    Liebe Grüße,
    Marlene

    • Vielen Dank, liebe Marlene 🙂 Ja, die ungefragten Kommentare auf einem Dorf, die sind schon belastend zuweilen. Zumal man ja gar keine subjektive Meinung erfahren möchte. Wir sind auch Menschen, die zu privaten Angelegenheiten anderer Leute keine Meinung haben – eben weil es uns nichts angeht. Und wenn man dann trotzdem, also trotz der eigenen Diskretion, zur Zielscheibe gemacht wird – Hallelujah. Nehmen wirs mit Gelassenheit und freuen uns auf Baby drei 🙂 LG

  5. Herzlichen Glückwunsch zum dritten Wunschkind. Ich finde diese Entscheidung FÜR eine große Familie sehr schön – mein Wunsch war das auch immer. In meinem Leben ist jetzt Patchwork dazwischengekommen aber das eine muss das andere ja nicht ausschließen. Bei mir ist inzwischen auch das zweite Wunschkind unterwegs – ungeplant aber dennoch geliebt. In dem Sinne euch alles Gute!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s